Anger-Crottendorf ist pflanzbar

Wenn der Frühling kommt, denk ich immer an den großen Musiker und Gesellschaftskritiker Georg Kreisler und sein wohl bekanntestes ironisch-sarkastisches Lied:

Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau
Gehn wir Tauben vergiften im Park!
Die Bäume sind grün und der Himmel ist blau
Gehn wir Tauben vergiften im Park!
Wir sitzen zusamm‘ in der Laube
Und ein jeder vergiftet a Taube
Der Frühling, der dringt bis ins innerste Mark
Beim Tauben vergiften im Park.

Mir, als Tierschützer, traut natürlich niemand so etwas zu. Aber in Anger-Crottendorf käme man dabei durchaus auf seine Kosten – weniger wegen einer Taubenplage als wegen der vielen vorhandenen  Parks, angefangen bei einem notwendigen Park, dem 19 ha großen Ostfriedhof, über den von der Stadt 1898 angelegten Stünzer Park mit 13 ha Fläche bis hin zu zwei kleinen Parks, die ihre Existenz nur der Sturheit ihrer großbürgerlichen Besitzer zu verdanken haben, die statt lukrativer Mieteinnahmen eben lieber einen Park wollten: Die Rede ist vom Ramdohrschen Park und dem nach der kommunistischen Widerstandskämpferin benannten Lilo-Herrmann-Park, der ehemals zur Karl-Krause-Villa gehörte. Die Villa ist nun saniert und keine Ruine mehr. Dafür ist der Asia-Imbiss „Am Ruinengarten“ direkt am Park eine Ruine geworden. Kleine Fährten der Gentrifizierung. So ändern sich die Zeiten.

So, nun wird’s interaktiv: Ihr hört das Wort „Anger“ und ergänzt es zu „Anger-Crottendorf“. Wie lange braucht ihr dafür? Drei Sekunden?

Und jetzt ergänzt mal in drei Sekunden das Wort „Park“!

eins – zwei – drei

Na? „Parkplatz“? (… der Götze Auto?) Oder „Parkeisenbahn“?

Na, es geht um Beides: Um Eisenbahn und um Platz. Es geht um den Parkbogen Ost (http://parkbogen-ost.org/), der, entstanden aus einer Vision von Bürgerinnen und Bürgern nun Wirklichkeit werden soll. Die Stadt will der Bahn die Trasse abkaufen und den Platz als Wander-, Radwege und für Biotope nutzen. Leipzig hat eine 80%-Stelle mit einer Geographin besetzt, um das Projekt voran zu bringen. Die Stadt hat darüber hinaus ein Planungsbüro beauftragt und will im Sommer mit Verbänden über das Projekt beraten und zum Jahresende soll’s schon durch den Stadtrat.

Der Parkbogen Ost, der quer durch Anger-Crottendorf gehen wird, wird unseren Stadtteil aufwerten – und nicht nur ökologisch! Das ist großartig…. aber steigen dann Grundstückspreise, Mieten? Geburtenraten, weil sich Menschen beim Spazieren auf der alten Trasse näher kommen? Nun sind wir zwar keine großbürgerlichen Parkbesitzer, aber beharrlich sind wir auch. Wir wollen uns als BürgerInnen, als citoyens, nicht als bourgeois unsere Parks und Parkbögen aneignen, sie selbst- und mitgestalten!

Die für den Parkbogen Ost zuständige Mitarbeiterin im Rathaus weiß das natürlich und hofft sogar darauf. Für den 14.04. lädt sie ins Berufsschulzentrum in die Neustädter Straße 1 von 17-20 Uhr zu einem Bürgerforum ein, bei dem wir, alle BürgerInnen, unsere Ideen einbringen sollen. Also – bereitet euch drauf vor und geht hin, egal, ob in der Arbeitszeit oder in eurer Freizeit!

Und wie sieht die Freizeit der Parkbogen-Expertin von der Stadtverwaltung aus? Tauben vergiften am Parkbogen? Mitnichten! Sie engagiert sich unter anderem bei stadtpflanzer.de. Motto des Vereins: „Eine neue Stadt ist pflanzbar!“ Mitpflanzen sollten wir da unbedingt und am 14.04. schon mal vordüngen…

Jens-Eberhard Jahn

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