„Seht ihr den Wald vor lauter Bäumen nicht?“

Durch die Hallen der alten Karl-Krause-Fabrik geistern Männer mit Krawatte und Bauplänen, auf dem Türmchen überm Dach sitzen bei gutem Wetter Jugendliche und schauen in den Wald. Ja – von der Stadt haben wir es nun schriftlich: Hinter der Karl-Krause-Fabrik, eingegrenzt von Zweinaundorfer Straße im Süden und ehemaliger S-Bahn-Trasse im Osten ist Wald entstanden.

Das heißt, da kann nicht so einfach gebaut werden. Bebauungspläne aus den 90er Jahren sahen für das Areal eine zum Teil fünfstöckige Bebauung vor, Wohnhäuser und Gewerbe. Wollen die Eigentümer nun bauen, müsste der Wald per Stadtratsbeschluss umgewidmet werden. Wir werden in den nächsten Tagen das Gespräch mit den EigentümerInnen suchen und uns ebenfalls kundig machen, wie so eine Umwidmung vonstatten geht. Aber immerhin: Da die neuen EigentümerInnen der Fabrik und des dahinter gelegenen Areals die Fläche als Waldfläche erworben haben, müssten sie nicht entschädigt werden, wenn die Stadt sich einer Bebauung widersetzt.

Im Westen des Waldgebiets haben Investoren bereits die Karl-Krause-Villa und umliegende Gebäude saniert. Aber offenbar haben sie nicht die Absicht, ihr Waldstück maßgeblich zu bebauen. Auch dort suchen wir das Gespräch.

„Asterix und die Trabantenstadt“ oder Teil des Konzepts „Parkbogen Ost“?

Die Umsetzung des Bebauungsplanes von 1995 wäre unserer Meinung nach falsch: Der „Karl-Krause-Wald“ liegt unmittelbar am Rand des Parkbogen Ost, gleich am Eingang des „Kleingartenparks Süd-Ost“. Der Wald müsste an dieser stadtplanerisch und ökologisch wichtigen Stelle genutzt werden: Vielleicht ein Teil als Kletterwald, ein Teil als Biotop, ein Teil für Stadtgärten… ein Teil des Fabrikgebäudes sollte mit Gastronomie, Fahrradwerkstätten und ähnlichem auch der Lage entsprechend genutzt werden. Und: Steigt die EinwohnerInnendichte, dann auch der Bedarf an Infrastruktur, an Kindergärten, Geschäften, anderem mehr: Warum etwa gibt es in Anger-Crottendorf mit seinen 10.000 Einwohnern kein Ärztehaus (Poliklinik, MVZ…)?

Wir bleiben dran und in wenigen Wochen werden wir zu einer zweiten öffentlichen Informationsveranstaltung bezüglich der Entwicklung des Parkbogen Ost und der Karl-Krause-Fabrik in Anger-Crottendorf einladen. Die erste Veranstaltung im März war gut besucht und brachte viele Menschen und Ideen zusammen. Natürlich ging es dabei nicht nur um die Karl-Krause-Fabrik: Der Mangel an Angeboten für Kinder, Parkplatzprobleme und Probleme mit zugeparkten Gehwegen sowie die Verschmutzung des Viertels durch Hundekot sind ebenfalls Themen, mit denen wir uns beschäftigen. Allerdings drängt das Thema Karl-Krause-Fabrik gerade am meisten.

Reudnitz hat den Lene-Voigt-Park, der ja für Viele auch eine Art extraterritorialer Dorfplatz von Anger-Crottendorf geworden ist: Wir in Anger-Crottendorf haben neben dem zweitgrößten Friedhof der Stadt und drei Parks jetzt auch noch einen Wald! Lasst uns gemeinsam überlegen, wie wir ihn nutzen und gestalten wollen, ehe die Bulldozer kommen.

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