Archiv für den Monat: August 2016

Bildungscampus Ihmelstraße – das geht noch besser!

Der Architekturwettbewerb bezüglich des neuen Bildungscampus an der Ihmelstraße rund um die ehemalige Herrmann-Liebmann-Oberschule ist abgeschlossen. Gewonnen hat ein Dresdner Architekturbüro. Auf dem Gelände an der Ihmel-, Bernhard- und Krönerstraße sollen eine Oberschule und ein Gymnasium mit Mensen und einer Sporthalle, sowie eine Stadtbibliothek und Räume für das Quartiersmanagement Ost entstehen. Angesichts steigender Bevölkerungs- und SchülerInnenzahlen in Leipzig ist die Entscheidung, den alten Schulstandort wiederzubeleben überaus zu begrüßen.

2016-08-10 17.20.14

Der Bürgerverein Anger-Crottendorf hat sich über die Planungen des Bildungscampus Ihmelstraße informiert und nimmt dazu Stellung:

  • Das neue Verkehrskonzept ist begrüßenswert. Es sieht eine Schließung der Bernhardstraße und die Führung des Verkehrs über die Hanns-Eisler-Straße sowie die bis zur Hanns-Eisler-Straße durchgebrochene Krönerstraße vor. Somit wird der Bildungscampus nicht durch eine Verkehrsschneise durchschnitten. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass an der Einmündung der Kröner- in die Wurzner Straße eine Ampelanlage errichtet wird und an geeigneten bzw. notwendigen Stellen Zebrastreifen eingerichtet werden. Denn Schulwege müssen sicher sein!
  • Aus dem Konzept geht hervor, dass sich die räumliche Trennung der Schülerinnen und Schüler beider Schulformen – Oberschule und Gymnasium – auch auf den Freizeitbereich erstrecken soll. Das beinhaltet getrennte Schulhöfe, getrennte Mensen und getrennte Stockwerke in der Sporthalle. Wir halten diese schulformbezogene Apartheid für fragwürdig. Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Milieus, mit verschiedenen Interessen und Begabungen sollten sich begegnen und kennen lernen können. Eine bunter werdende Stadtgesellschaft braucht Nischen – vor allem aber braucht sie Verständigung und Raum für Gemeinsames. Dies fängt bei unseren Kindern an. Denn Schülerinnen und Schüler müssen sich begegnen können!
  • Gegenüber des Bildungscampus liegt ab dem nächsten Schuljahr die Käthe-Kollwitz-Sprachheilschule (in der ehemaligen Richard-Wagner-Oberschule). Das vorliegende Konzept lässt offen, welche Einrichtungen (links und rechts der Krönerstraße) gemeinsam von den Schülerinnen und Schülern der Sprachheilschule, der Oberschule und des Gymnasiums genutzt werden könnten. Dies beträfe vor allem Sportstätten, aber auch ggf. Mensen. Auch hier gilt: Schülerinnen und Schüler müssen sich begegnen können! Und Ressourcen sollten gemeinsam genutzt werden!
  • Die bisherigen Standorte von Sprachheilschule und dem dazugehörenden Hort sind vor Schulbeginn und zum Ende der Hortzeit von regem Kleinbusverkehr für den SchülerInnentransport beeinträchtigt. Dies behindert zurzeit auch den Schulweg zur 74. Grundschule und zur Ernst-Pinkert-Schule. Wir weisen mit Nachdruck darauf hin, dass dieses Problem verkehrstechnisch am neuen Standort besser gelöst werden muss. Der neue Bildungscampus darf weder von Kleinbussen zugeparkt noch von Abgasen vernebelt werden!
  • Ein Architekturentwurf, der in der Ausschreibung den dritten Preis erhielt, sah auf dem Bildungscampus ausdrücklich Schulgärten vor. Dies ist beim ersten Preisträger nicht der Fall. Nachträgliche Ausweisungen von Schulgärten auf dem Schulgelände sind erfahrungsgemäß schwierig. Schulgärten ermöglichen Schülerinnen und Schülern aber notwendige Erfahrungen mit der Natur und dem eigenen Anbau von Nahrungsmitteln.Schulgärten haben daher einen wichtigen Platz in sächsischen Bildungsplänen. Wir erwarten, dass die Planung des Bildungscampus dies angemessen berücksichtigt. Gegebenenfalls könnten für Schulgärten auch Flächen der benachbarten Kleingartenvereine zur Verfügung stehen, auf die die nach Osten gerichteten Fenster des Gebäudekomplexes zeigen. Denn Schülerinnen und Schüler brauchen hautnahe Erfahrungen mit der Natur und anschaulichen Ernährungs- Unterricht!

2016-08-10 17.19.58

Uns bewegen auch weitere, weniger unmittelbare Auswirkungen der Errichtung zwei neuer Schulen am Rande unseres Stadtteils:

  • Wir freuen uns, dass dem Quartiersmanagement Ost neue Räume zur Verfügung gestellt werden. Wir erhoffen uns dadurch ein noch größeres Engagement dieser wichtigen Einrichtung für den Leipziger Osten. Der neue Standort bietet auch die Chance, Schülerinnen und Schüler zu Engagement in ihren Stadtteilen zu ermutigen.
  • Wir begrüßen die Ergänzung des Bildungscampus durch eine Bibliothek und hoffen, dass diese zugleich als Schulbibliothek genutzt werden kann. Wir fragen uns, ob der Bibliotheks-Standort Torgauer Platz dadurch künftig entfällt und welche Folgen das ggf. für das Einzugsgebiet der Bibliothek hat, also für deren Nutzerinnen und Nutzer. Wir erwarten, dass mit dem neuen Standort eine Verbesserung der Ausstattung und des Angebots der Bibliothek einhergehen.
  • Es ist unvermeidlich, dass der bisherige Wertstoffhof an der Bernhardstraße und ebenfalls ein benachbarter Garagenhof dem Bildungscampus weichen müssen. Uns scheint es aber dringend geboten, dass sowohl für den Parkraum als auch vor allem für die Entsorgungsmöglichkeit wohnortnah Ersatz geschaffen wird. Denn es gilt, unnötigen Verkehr und lange Wege zu vermeiden.
  • In dem Bereich, in dem künftig die erweiterte Krönerstraße in die Hanns-Eisler-Straße einmünden wird, befinden sich derzeit Spielplätze für den Freizeitsport, für Fußball und Volleyball. Es ist zu befürchten, dass sie den Baumaßnahmen zumindest zwischenzeitlich zum Opfer fallen. Wir empfehlen, auf der gegenüber liegenden Brachfläche östlich der Hanns-Eisler-Straße Ersatz zu schaffen. Dadurch könnte dieses Angebot auch stärker durch den benachbarten Kindergarten genutzt werden. In diesem Zusammenhang könnte auch ein befestigter Fußweg vom Kindergarten Sonnenblume zur Hanns-Eisler-Straße geschaffen werden.

Der Bürgerverein Anger-Crottendorf freut sich auf die neuen Schulen am Rande unseres Stadtteils. Sie werden die Lebensqualität für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern erhöhen. Wir möchten die Entwicklung des Bildungscampus Ihmelstraße im konstruktiven Dialog mit Bürgerinnen, Bürgern und der Stadt Leipzig engagiert begleiten. Dabei sind wir optimistisch, dass unsere Hinweise in der weiteren Planung und Durchführung des Konzepts und der dazugehörenden Bauvorhaben berücksichtigt werden.

2016-08-10 17.20.05