Archiv für den Monat: Oktober 2019

Park(ing) Day 2019 Anger-Crottendorf – Parkplatz zu Dorfplatz

Zum Park(ing) Day am 20.09.2019 planten wir nicht anderes als eine Revolution – zumindest im Kleinen.

Der Park(ing) Day ist ein seit 2005 international jährlich begangener Aktionstag zur Re-Urbanisierung von Innenstädten: In der Regel am dritten Freitag des Septembers werden Parkplätze im öffentlichen Straßenraum modellhaft kurzfristig umgewidmet und einer anderen Nutzung zugeführt: zu grünen Oasen bzw. Pflanzinseln, zu Gastronomie- und Sitzflächen, Fahrradabstellflächen oder zu Orten, an denen man einfach ungestört zusammenkommen kann.

Um mit den Menschen aus Anger-Crottendorf ungestört zusammen zu kommen, machten wir, der Bürgerverein Anger-Crottendorf und KonsumGlobal Leipzig die Gregor-Fuchs-Straße vor dem Konsum zur Fußgängerzone. Autos blieben draußen. Zusammen nutzten wir den Stadtraum mal ganz anders: nämlich für den Menschen und nicht nur für herumstehende Autos.

Die Entwicklung im Viertel, die provokative Idee des urbanen Platzes vor dem Konsum – Nahversorger sowie die Verkehrssituation waren Themen in den Gesprächen mit den Anwohner*innen.

Dazu gab es in der Zeit zwischen 13.00 und 18:00 Uhr verschiedenen Aktionen. Die Ludothek Leipzig hat Straßenspielzeug zur Verfügung gestellt, das gern von vorbeikommenden Kindern mit Eltern angenommen wurde. Dazu reichten wir selbstgemachten Kuchen und fairen Kaffee. Mit einem „Gehzeug“ demonstrierten wir, wie viel Platz ein Auto eigentlich benötigt. Des weiteren gab es ein Tauschregal für verschiedene Dinge, die zum Wegschmeißen zu gut sind. Ein kleiner Wochenmarkt fand ebenso statt.

In unserem kleinem Forum trafen wir den Radverkehrsbeauftragten der Stadt Leipzig Herrn Dr. Waack und Herrn Zieprich vom Amt für Wohnungsbau und Stadtentwicklung, um über Radverkehr in und um Anger-Crottendorf zu sprechen. So stellte Herr Zieprich den Entwicklungsstand des Parkbogen Osts vor: Auf der alten Sbahnlinie wird ein Rad- und Gehwegbogen entstehen, der vom Lene-Voigt-Park über das Viadukt in Sellerhausen bis hin irgendwann zum Bahnhof führen wird. Der erste Bauabschnitt wird die Anger-Crottendorfer Spange sein. Die architekturplanerischen Ausschreibungen laufen und alle Interessieren sind herzlich eingeladen, sich die Ideen am 10.11. im Grassimuseum anzusehen.

Von Herrn Dr. Waack hörten wir, dass Leipzig im Städtevergleich ein ganz gutes Radwegenetz hat. Im Ländervergleich fällt Deutschland aber durch, denn hier spielt der Autoverkehr ein zu große Rolle.

Aber es muss ein Umdenken stattfinden, denn das Auto sollte in seiner derzeitigen Bauart (groß, laut, dreckig, teuer) in einer klima- und menschenfreundliche Stadt bzw. Stadtviertel keine Zukunft haben. Welche Alternativen stehen denn zur Debatte? In Anger-Crottendorf selbst fehlt eindeutig eine bessere Anbindung an den ÖPNV. Die Fortschreibung des Nahverkehrsplans wird für eine solche verbesserte Anbindung die gewünschten Weichen stellen. Bereits im vergangenen Jahr wurden von den Bürger*innen tolle Ideen formuliert. Hier sieht man deutlich, dass innerstädtische Aufgaben zwar langsam aber dennoch mahlen. Woher die Langsamkeit? Da sind Strukturen zu berücksichtigen wie: Stadtratsbeschlüsse, Amtsabsegungen, Ausschreibungs- und Planungsprozesse. Sicherlich muss die Verwaltung in einer wachsenden Stadt auch mitwachsen. Hier gibt es noch viel Nachholebedarf und aufgeschlossene Mitarbeiter. Eins heißt es aber sicher, der Bus wird durch Anger-Crottendorf fahren, das steht fest, der Zeitpunkt ist aber noch nicht klar.

Das Auto braucht Platz. Menschen brauchen Auto? Brauchen alle Menschen ein Auto? Wir haben in den Gesprächen mit den Menschen auf unserem Park(ing)Day Park erfahren, dass einige aufs Auto verzichten, wenn die nächste Haltestelle des ÖPNV deutlich näher läge und Radfahren durch Fahrradwege sicherer werden würde. Da gibt es viele wenns, wäre, würde. Es heißt also: dran bleiben und nicht einschüchtern lassen von wutschnaubenden Autofahrern, die in der Parkverbotenzone der angemeldeten Demo nach ihrem Auto suchen, das pünktlich zu Parkverbotszonenzeitbeginn vom Ordnungsamt abgeschleppt wurde.

Nach dem der Verkehr wieder ordnungsgemäß durchs Viertel rollen konnte, nahmen wir uns die Grünfläche an der Gregor-Fuchs-Straße und ließen mit Sternburgbier, leckeren Würstchen von den Hereford Elbweiderindern aus Graditz und fantastischer Musik von „Norris“ den Tag ausklingen.

Vielen Dank für die Unterstützung an alle Mitwirkenden, KonsumGlobal Leipzig, Ludothek Leipzig und dem  Verfügungsfond Leipziger Osten.