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Wählerisch sein! Gesprächsabend mit BundestagskandidatInnen

Donnerstag, 07.09.

19.30 Uhr

Im Anbau der Trinitatiskirche, Theodor-Neubauer-Straße 16, Anger-Crottendorf.

Eyk Henze (Bündnis Grundeinkommen)

Volker Holzendorf (Bündnis 90 / Die Grünen)

Daniela Kolbe (SPD)

Jens Lehmann (CDU)

Christoph Neumann (AfD)

Franziska Riekewald (DIE LINKE)

Tom Rodig (DIE PARTEI)

Joachim Roesler (Demokratie in Bewegung)

Marcus Viefeld (FDP)

Eine Veranstaltung des Bürgervereins Anger-Crottendorf in Zusammenarbeit mit der evangelisch-lutherischen Dreifaltigkeitsgemeinde und dem Bürgerverein Neustädter Markt

Planwirtschaft in Anger-Crottendorf?

„Ja mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht; dann machste noch nen zweiten Plan – gehn tun sie beide nicht…“ singen sie in Brecht/Weills Dreigroschenoper im Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens. Ein Hauch von Soho in Anger-Crottendorf? London in Leipzig?

In einem Stadtplan von Leipzig, den ich kürzlich für ungefähr drei Groschen erstand – „neu“ stand drauf – sind die im Crottendorfer B-Plan von 1994 ausgewiesenen Straßen mit Namen verzeichnet. Spannend fand ich das, und zugegebenermaßen waren sie farblich unterlegt als „B-Plan-Straßen“. Denn diese Straßen existieren ja nicht. Nur im Stadtplan. Und im B-Plan. „B-Plan hin oder her: So wie das Gelände heute aussieht, würde dort keine Baugenehmigung erteilt werden,“ hieß es kürzlich aus dem Rathaus. In der Tat sprechen die heutigen Planungsziele der Stadt bezüglich Stadtklima, Stadtgrün und konkret: Parkbogen Ost, eher gegen eine Bebauung des Waldes auf dem Gelände hinter der früheren Karl-Krause-Fabrik.

Es können nicht alle Pläne aufgehen. Alle Türen auch nicht: Die neuen InvestorInnen, die die alte Fabrik sanieren wollen und dort den Bau von 100 Wohnungen planen, haben alle (mehr oder minder barrierefreien) Zugänge vermauert. In den letzten offenen Zugang haben sie nun eine Eisentür eingebaut. Abschließbar. Immer öfter kommen sie ja in letzter Zeit mit InteressentInnen vorbei, die sich wohl ihre zukünftige Wohnung mal im Rohzustand anschauen wollen. Nur diese sollten offenbar noch Zutritt zum Gebäude erhalten. Wohl sehr zum Ärger derer, die dort seit langem gern ein- und ausgehen: Denn die alte Fabrik in Anger-Crottendorf ist für viele LeipzigerInnen aus dem ganzen Stadtgebiet, die an alter Industriearchitektur, am Sprayen, Fotografieren, Klettern und anderen Abenteuern interessiert sind, überaus beliebtes Ausflugsziel, geradezu eine Bühne der Schaulust! Und vielleicht weil eine andere Leipziger Bühne, das Schauspielhaus, seinen Spielplan für 2015/16 unter das Motto „warum dürfen die und wir nicht?“ gestellt hat, werden sich die Fans der alten Fabrik auch gedacht haben: Eine Tür? Und „die“ dürfen rein und „wir“ nicht?

Denn kaum war die Tür da, war deren Klinke deformiert und das Schlüsselloch zugespachtelt. Aber gleich daneben ist eine Leiter, improvisiert aus einem alten Fenster, die Zugang zum ersten Stock gewährt. Eine sportliche Herausforderung nicht nur für künftige KäuferInnen von Eigentumswohnungen. Vielleicht sogar ein Vorgeschmack auf den im Masterplan für den Parkbogen Ost an dieser Stelle vorgesehenen Kletterwald. Der Plan mit der Tür geht also auch nicht auf – weder für die, die sie eingebaut, noch für die, die sie ramponiert haben.

Stadtpläne, Bebauungspläne, Spielpläne, Masterpläne… kein Wunder, dass eine der geplanten Straßen „Weidenbachplan“ heißen soll (http://www.strassen-in-deutschland.de/238162145-weidenbachplan-in-leipzig.html), und das weiß natürlich auch mein neuer Stadtplan. „Weidenbach“ ist in diesem Zusammenhang kein Gewässername: Georg Weidenbach war Planer, Architekt. Er soll auch die unlängst sanierte Karl-Krause-Villa geplant und entworfen haben, sagen InsiderInnen. Wikipedia weiß, dass er unter anderem an der Russischen Gedächtniskirche, am Messehaus Handelshof und an der Reformierten Kirche in Leipzig federführend plante und wirkte.  Aber Wikipedia weiß noch mehr: „Die Stadt Leipzig ehrte ihn am 19. November 1998 mit der Benennung einer neu entstehenden Straße im Bebauungsgebiet Crottendorfer Plan im Stadtteil Anger-Crottendorf in Weidenbachplan, diese Straße wurde aber bis heute nicht gebaut.“ Was nun – „entstehen“ Straßen oder werden sie gebaut? Zumindest geplant?

Und da dachten manche wohl schon, die Planwirtschaft sei Geschichte…

 

 

„Seht ihr den Wald vor lauter Bäumen nicht?“

Durch die Hallen der alten Karl-Krause-Fabrik geistern Männer mit Krawatte und Bauplänen, auf dem Türmchen überm Dach sitzen bei gutem Wetter Jugendliche und schauen in den Wald. Ja – von der Stadt haben wir es nun schriftlich: Hinter der Karl-Krause-Fabrik, eingegrenzt von Zweinaundorfer Straße im Süden und ehemaliger S-Bahn-Trasse im Osten ist Wald entstanden.

Das heißt, da kann nicht so einfach gebaut werden. Bebauungspläne aus den 90er Jahren sahen für das Areal eine zum Teil fünfstöckige Bebauung vor, Wohnhäuser und Gewerbe. Wollen die Eigentümer nun bauen, müsste der Wald per Stadtratsbeschluss umgewidmet werden. Wir werden in den nächsten Tagen das Gespräch mit den EigentümerInnen suchen und uns ebenfalls kundig machen, wie so eine Umwidmung vonstatten geht. Aber immerhin: Da die neuen EigentümerInnen der Fabrik und des dahinter gelegenen Areals die Fläche als Waldfläche erworben haben, müssten sie nicht entschädigt werden, wenn die Stadt sich einer Bebauung widersetzt.

Im Westen des Waldgebiets haben Investoren bereits die Karl-Krause-Villa und umliegende Gebäude saniert. Aber offenbar haben sie nicht die Absicht, ihr Waldstück maßgeblich zu bebauen. Auch dort suchen wir das Gespräch.

„Asterix und die Trabantenstadt“ oder Teil des Konzepts „Parkbogen Ost“?

Die Umsetzung des Bebauungsplanes von 1995 wäre unserer Meinung nach falsch: Der „Karl-Krause-Wald“ liegt unmittelbar am Rand des Parkbogen Ost, gleich am Eingang des „Kleingartenparks Süd-Ost“. Der Wald müsste an dieser stadtplanerisch und ökologisch wichtigen Stelle genutzt werden: Vielleicht ein Teil als Kletterwald, ein Teil als Biotop, ein Teil für Stadtgärten… ein Teil des Fabrikgebäudes sollte mit Gastronomie, Fahrradwerkstätten und ähnlichem auch der Lage entsprechend genutzt werden. Und: Steigt die EinwohnerInnendichte, dann auch der Bedarf an Infrastruktur, an Kindergärten, Geschäften, anderem mehr: Warum etwa gibt es in Anger-Crottendorf mit seinen 10.000 Einwohnern kein Ärztehaus (Poliklinik, MVZ…)?

Wir bleiben dran und in wenigen Wochen werden wir zu einer zweiten öffentlichen Informationsveranstaltung bezüglich der Entwicklung des Parkbogen Ost und der Karl-Krause-Fabrik in Anger-Crottendorf einladen. Die erste Veranstaltung im März war gut besucht und brachte viele Menschen und Ideen zusammen. Natürlich ging es dabei nicht nur um die Karl-Krause-Fabrik: Der Mangel an Angeboten für Kinder, Parkplatzprobleme und Probleme mit zugeparkten Gehwegen sowie die Verschmutzung des Viertels durch Hundekot sind ebenfalls Themen, mit denen wir uns beschäftigen. Allerdings drängt das Thema Karl-Krause-Fabrik gerade am meisten.

Reudnitz hat den Lene-Voigt-Park, der ja für Viele auch eine Art extraterritorialer Dorfplatz von Anger-Crottendorf geworden ist: Wir in Anger-Crottendorf haben neben dem zweitgrößten Friedhof der Stadt und drei Parks jetzt auch noch einen Wald! Lasst uns gemeinsam überlegen, wie wir ihn nutzen und gestalten wollen, ehe die Bulldozer kommen.

Anger-Crottendorf ist pflanzbar

Wenn der Frühling kommt, denk ich immer an den großen Musiker und Gesellschaftskritiker Georg Kreisler und sein wohl bekanntestes ironisch-sarkastisches Lied:

Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau
Gehn wir Tauben vergiften im Park!
Die Bäume sind grün und der Himmel ist blau
Gehn wir Tauben vergiften im Park!
Wir sitzen zusamm‘ in der Laube
Und ein jeder vergiftet a Taube
Der Frühling, der dringt bis ins innerste Mark
Beim Tauben vergiften im Park.

Mir, als Tierschützer, traut natürlich niemand so etwas zu. Aber in Anger-Crottendorf käme man dabei durchaus auf seine Kosten – weniger wegen einer Taubenplage als wegen der vielen vorhandenen  Parks, angefangen bei einem notwendigen Park, dem 19 ha großen Ostfriedhof, über den von der Stadt 1898 angelegten Stünzer Park mit 13 ha Fläche bis hin zu zwei kleinen Parks, die ihre Existenz nur der Sturheit ihrer großbürgerlichen Besitzer zu verdanken haben, die statt lukrativer Mieteinnahmen eben lieber einen Park wollten: Die Rede ist vom Ramdohrschen Park und dem nach der kommunistischen Widerstandskämpferin benannten Lilo-Herrmann-Park, der ehemals zur Karl-Krause-Villa gehörte. Die Villa ist nun saniert und keine Ruine mehr. Dafür ist der Asia-Imbiss „Am Ruinengarten“ direkt am Park eine Ruine geworden. Kleine Fährten der Gentrifizierung. So ändern sich die Zeiten.

So, nun wird’s interaktiv: Ihr hört das Wort „Anger“ und ergänzt es zu „Anger-Crottendorf“. Wie lange braucht ihr dafür? Drei Sekunden?

Und jetzt ergänzt mal in drei Sekunden das Wort „Park“!

eins – zwei – drei

Na? „Parkplatz“? (… der Götze Auto?) Oder „Parkeisenbahn“?

Na, es geht um Beides: Um Eisenbahn und um Platz. Es geht um den Parkbogen Ost (http://parkbogen-ost.org/), der, entstanden aus einer Vision von Bürgerinnen und Bürgern nun Wirklichkeit werden soll. Die Stadt will der Bahn die Trasse abkaufen und den Platz als Wander-, Radwege und für Biotope nutzen. Leipzig hat eine 80%-Stelle mit einer Geographin besetzt, um das Projekt voran zu bringen. Die Stadt hat darüber hinaus ein Planungsbüro beauftragt und will im Sommer mit Verbänden über das Projekt beraten und zum Jahresende soll’s schon durch den Stadtrat.

Der Parkbogen Ost, der quer durch Anger-Crottendorf gehen wird, wird unseren Stadtteil aufwerten – und nicht nur ökologisch! Das ist großartig…. aber steigen dann Grundstückspreise, Mieten? Geburtenraten, weil sich Menschen beim Spazieren auf der alten Trasse näher kommen? Nun sind wir zwar keine großbürgerlichen Parkbesitzer, aber beharrlich sind wir auch. Wir wollen uns als BürgerInnen, als citoyens, nicht als bourgeois unsere Parks und Parkbögen aneignen, sie selbst- und mitgestalten!

Die für den Parkbogen Ost zuständige Mitarbeiterin im Rathaus weiß das natürlich und hofft sogar darauf. Für den 14.04. lädt sie ins Berufsschulzentrum in die Neustädter Straße 1 von 17-20 Uhr zu einem Bürgerforum ein, bei dem wir, alle BürgerInnen, unsere Ideen einbringen sollen. Also – bereitet euch drauf vor und geht hin, egal, ob in der Arbeitszeit oder in eurer Freizeit!

Und wie sieht die Freizeit der Parkbogen-Expertin von der Stadtverwaltung aus? Tauben vergiften am Parkbogen? Mitnichten! Sie engagiert sich unter anderem bei stadtpflanzer.de. Motto des Vereins: „Eine neue Stadt ist pflanzbar!“ Mitpflanzen sollten wir da unbedingt und am 14.04. schon mal vordüngen…

Jens-Eberhard Jahn

„Frau Krause“ ist in Leipzig bekannter als „Karl Krause“ – das könnte sich bald ändern

Eine nachhaltige Zukunft für die ehemalige Karl-Krause-Fabrik in Anger-Crottendorf

Die „Frau Krause“ ist eine beliebte Kneipe – nein: eine gastronomische Institution! – in Leipzig-Connewitz, weit weit weg von Anger-Crottendorf. Etwa 15 Taxi-Euro entfernt, denn ohne Taxi schafft man es aus der „Frau Krause“ nur in den günstigsten Fällen zurück in den Osten. Der 70er Bus fährt nur bis kurz nach 23 Uhr, und nach einem Besuch bei „Frau Krause“ noch Fahrrad zu fahren, ist eine große Herausforderung.

Zu den großen Herausforderungen in Anger-Crottendorf selbst gehört die künftige Nutzung der ehemaligen Karl-Krause-Fabrik in der Th.-Neubauer-Straße. Dabei geht es nicht um den Gatten der Connewitzer Gastronomin, sondern einen Druckmaschinenfabrikanten der vorletzten Jahrhundertwende und seine heute denkmalgeschützte Industriekathedrale.

Gemeinsam mit deren Eigentümer, der Stadtverwaltung, dem Eigentümer der Karl-Krause-Villa, Institutionen, Vereinen und Initiativen im Stadtteil müsste ein Konzept für eine Mischnutzung des Objekts entwickelt werden. Zurzeit ist dort vom Eigentümer der Bau von 100 Wohnungen geplant. Ein Mischnutzung aber könnte den Stadtteil insgesamt sozial, ökologisch, wirtschaftlich und kulturell aufwerten ohne einer Gentrifizierung Vorschub zu leisten.

Anger-Crottendorf erfreut sich zunehmender Beliebtheit als Wohnquartier für Familien mit Kindern. Es ist verkehrsgünstig gelegen, relativ zentrumsnah und verfügt mit dem Kleingartenpark Südost und dem angrenzenden Stünzer Park über attraktive Erholungsgebiete. Die kulturelle und gastronomische Infrastruktur des Stadtteils ist unbefriedigend, innovative wirtschaftliche Aktivitäten sind kaum spürbar und es gibt nur wenige soziale Räume. Gleichzeitig „erwacht“ der Stadtteil und studentische Clubs und Bioläden entstehen – die erste Phase der Gentrifizierung.

Genau zwischen dem „besiedelteren“ und dem „grüneren“ Teil Anger-Crottendorfs liegt das ehemalige Fabrikgelände als Brachfläche. Hinter dem Hauptgebäude, auf dem ehemaligen Betriebsgelände ist mittlerweile ein Wald (nach Bundeswaldgesetz) entstanden, der weder forstwirtschaftlich genutzt wird, noch der Öffentlichkeit als Erholungsraum zur Verfügung steht. Seine Zukunft wird das Areal aber auch kaum als Refugium für Tiere und Pflanzen verbringen, sondern als Hinterland eines Spekulationsobjekts und damit einer Großbaustelle. Diese Situation ist unbefriedigend. Hier liegt liegt in den drei Nachhaltigkeitsdimensionen großes Potenzial brach:

Ökologisch:

Urban-Gardening-Projekte: Sie könnten einen Teil des Areals dauerhaft nutzen.
Schulen/Horte/Kindergärten: Ein Teil des Geländes könnte als Schulgarten genutzt werden.
Die Initiative Parkbogen-Ost: Das Gelände könnte Ausgangspunkt des Parkbogen-Ost sein. Hier könnte eine Fahrradstation entstehen.
Kleingartenpark Süd-Ost: Die Vereine, die zum Kleingartenpark Südost gehören, sollten in die Planung und Nutzung eingebunden werden. Etwa zur Vorzucht von Pflanzen im Spätwinter könnten Räume bereit gestellt werden.
Alle Bürgerinnen und Bürger: Der nunmehr entstandene Wald sollte der Öffentlichkeit als Erholungsraum zur Verfügung gestellt und entsprechend gestaltet werden.

Ökonomisch:

Wohnungssuchende: Ein Teil des Gebäudes könnte natürlich, wie vom Eigentümer geplant, Wohnraum werden. Dies würde – als sozialer Aspekt – gleichzeitig den Druck auf die Mieten im Stadtteil verringern als auch die Kaufkraft im Stadtteil erhöhen.
Anwohner: Aufgrund der schlechten Parkplatzsituation im Stadtteil könnten in einem Teil des Objekts ein Parkhaus und eine Car-Sharing-Station entstehen.
Gewerbetreibende: Ein Teil des Gebäudes könnte für Gewerbe und Gastronomie zur Verfügung stehen.

Sozial und kulturell:

Vereine und Initiativen: Ein Teil des Gebäudes könnte Vereinen und Initiativen zur Verfügung gestellt werden.
Kulturschaffende könnten Räume nutzen.
Flüchtlinge: Ein Teil des Gebäudes könnte als Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stehen.
Religiösen Gemeinschaften könnten, bei Bedarf, Räume zur Verfügung gestellt werden.
Alle Bürgerinnen und Bürger: Hier könnte ein sozialer Treffpunkt im Stadtteil entstehen.

Unabhängig von den Plänen des Eigentümers sollte eine BürgerInnenbefragung im Stadtteil erfolgen, um Wünsche und Ideen seitens der Bevölkerung zu sammeln. Möglichkeiten müssen mit der Stadtverwaltung ausgelotet werden. Als Partner und Unterstützer unserer Initiative soll das Quartiersmanagement Ost gewonnen werden. Des weiteren wird die Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden, der Agenda 21 für unentbehrlich gehalten. Und selbstverständlich wären auch der Stadtbezirksbeirat und die in ihm vertretenen Parteien sowie der Stadtrat einzubeziehen.

Parallel zu Hintergrundgesprächen und Befragungen sollen BürgerInnen-Foren veranstaltet werden, um über Chancen, Möglichkeiten und Schwierigkeiten direkt zu beraten. Bei den oben genannten Zielgruppen muss Bedarf an einer Nutzung erfragt werden.

Die Alternative ist der Status Quo bzw. eine Nutzung des Areals durch den Eigentümer ohne die Einbindung der Bürgerschaft bzw. der oben genannten potenziellen Zielgruppen. Die Stadt Leipzig ist, wie erste Gespräche ergeben haben, in hohem Maße interessiert daran, dass Ideen und Konzepte aus der Bürgerschaft heraus entwickelt werden. Dies nicht zu tun, wäre eine verschenkte Chance.

Aber nicht nur um Tun geht es, auch um Austausch und Visionen im Stadtteil: „Man glaubt gar nicht, wie schwer es oft ist, eine Tat in einen Gedanken umzusetzen“ – dieses Zitat stammt zugegeben nicht von Karl Krause, aber immerhin von Karl Kraus, dem scharfzüngigen österreichischen Zeitgenossen des Leipziger Kapitalisten. Vielleicht kann ja ein Teil der Karl-Krause-Fabrik künftig Kultur- und Denk-Fabrik im Sinne von Karl Kraus werden? Und dies hoffentlich nicht erst in den „letzten Tagen der Menschheit“!

Jens-Eberhard Jahn